Erinnerungsliteratur
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Einführung
Die Erinnerungsliteratur der Landesbibliothek umfasst Schriften mit lokalem Bezug, im Original auf Papier und digitalisiert. Diese Sammlung liefert einen wertvollen Beitrag zum Verständnis der Lokalgeschichte aus einer menschlichen und authentischen Perspektive.
In diesem Bereich können die Erinnerungsberichte von Personen eingesehen werden, die am regionalen geschichtlichen Geschehen direkt beteiligt waren. Jeder Bereich enthält eine Kurzbiographie der Autoren und Autorinnen und einen Link, um ihre Erinnerungsberichte in PDF-Format herunterzuladen.
Mario Avi
Kurzbiographie
Mario Avi wurde in Nogarè di Pergine Valsugana (TN) am 20. Februar 1926 als Sohn von Giuseppe Avi und Angelina Gasperi geboren. 1928 zog er mit seiner Familie nach Madrano di Pergine, wo Mario den Kindergarten und drei Jahre Grundschule besuchte. Im Heiligen Jahr 1933 empfing er die Erstkommunion und dann die Firmung im Dom von Trient.
Alba Giampiccolo
Kurzbiographie
„Ich wurde am 12. Dezember 1922 in Brixen geboren. Mein Vater bat um Versetzung, weil meine Mutter das Klima nicht ertrug. Mein Vater hatte die Wahl zwischen Bozen und Turin und entschied sich letztlich für Bozen. In Bozen machte ich den Abschluss der Handelsschule.
Damals gab es kein weiterführendes Studium und ich hätte nach Trient gehen müssen, aber meine Mutter wollte das nicht, weil ich in einem Heim hätte wohnen müssen. Ein Freund meines Vaters, der Direktor an der Grundschule „San Filippo Neri“ war und zu Beginn des Schuljahres nicht genügend Lehrpersonal hatte, fragte meinen Vater, ob ich vorübergehend eine Supplenzstelle annehmen könnte, was ich mit großer Begeisterung getan habe.
Zur selben Zeit warb mich der „Circolo ferroviario“ an, so hieß damals das Kraftfahrzeugamt: ich legte eine Steno-Schreibprüfung ab und wurde eingestellt. Es war aber eine schwierige Situation, denn für einen Monat erhielt ich überhaupt kein Gehalt, zwei Jahre ca. arbeitete ich als Tagelöhnerin, zwei oder drei Jahre befristet und schließlich unbefristet: endlich eine sichere Stelle. Zu sagen ist, dass ich wundervolle Eltern hatte. Vor allem mein Vater sagte immer, dass ein geregeltes Leben gut und recht sei, aber durch Reisen könne man andere Kulturen kennenlernen und dies sei eine Bereicherung. So kam es, dass ich mit meiner Schwester, die leider schon verstorben ist, ein wenig durch die Welt reiste. Ich war schon immer sportlich und bin es auf eine bedachte Weise immer noch.
Seit ich in Pension bin – für mich eine Art bezahlter Urlaub das ganze Jahr lang – habe ich viel Freizeit. Ich schreibe gern Gedanken über mein Leben auf. Ich male gerne mit Ölfarbe oder Tempera, alles spontane Momentaufnahmen meiner Gefühle. Ich schwimme und turne gern und liebe das Wandern. Für mich sind das sehr nützliche Dinge, die dem Leben einen Sinn geben.
Ich habe die traurige Zeit des Krieges mit seinen Bombenangriffen erlebt. Die Bomben haben das Haus, in dem ich mit meiner Familie lebte, zerstört. Leider konnten wir Vaters Tagebücher aus seinen 75 Monaten Kriegsgefangenschaft in Russland nicht mehr aus den Trümmern retten. Als sich für Frauen neue Berufschancen anboten, war ich ehrlich gesagt froh, ich hatte auf nichts anderes gewartet; so konnte ich studieren, um beruflich aufzusteigen und schließlich Inspektorin beim Kraftfahrzeugamt als Prüferin für B- und C-Führerscheine zu werden. Glücklich bin ich vor allem darüber, dass ich mir selbst beweisen konnte, dass ich mich verbessern kann, um mit Begeisterung weiterzumachen, und das ist keine Kleinigkeit.“
In der Bibliothek verfügbare Erinnerungsberichte
- „Emozioni itineranti: racconti di viaggio“, 2013
- „Memoria vagabonda: racconto“, 2012
- „Contemplatio vitae: poesie“, 2011
- „Tornado“, 2009
- „Racconti quotidiani“, 2005
- „Schizzi di viaggio“, 2000
- „Infrange il grande silenzio“, 2000
- „Apri la porta al giorno: poesie“, 1990
Orazio Leonardi
Kurzbiographie
Orazio Leonardi wurde am 21. Dezember 1924 in Padua geboren, zog 1933 mit seiner Familie nach Bozen, wo er die alternativ zur Mittelschule existierende kaufmännische Vorbildungsschule bis zur dritten Klasse besuchte. Er arbeitete im Betrieb seines Vaters, der Schneider war und ein Bekleidungsgeschäft in der Freiheitsallee, die damals Corso IX Maggio hieß, leitete. Da Orazio sich nicht für die Schneiderei interessierte, widmete er sich dem An- und Verkauf.
Am 21. August 1943 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und der 232. Infanterie in der Kaserne in der Vittorio-Veneto-Straße zugeteilt. Am 9. September wurde er von den deutschen Truppen gefangengenommen und im Konzentrationslager Sandbostel in Deutschland interniert. Im November desselben Jahres wurde er als Zwangsarbeiter in der Shell-Raffinerie „Rhenania Ossag“ in Hamburg eingesetzt.
Am 5. August 1945 kehrte Orazio Leonardi nach Italien zurück und zog zu seiner Familie nach Ronzone ins Nonstal, die sich während des Krieges dorthin in Sicherheit gebracht hatte. Durch den Krieg hatte sein Vater alles verloren, so dass Orazio vorerst in einer Schneiderei arbeiten musste, aber nach anderen Möglichkeiten suchte. Im Jahr 1958 eröffnete er mit einem Freund und Partner ein Bekleidungsgeschäft in der Freiheitsstraße, das er bis 1990 betrieb.
Im Ruhestand widmete sich Orazio seinen Leidenschaften: Lesen, Video und Computer.
Silvana Masocco
Kurzbiographie
„Ich wurde am 26. Dezember 1941 in Gracova Serravalle in der Provinz Görz geboren. Mein Vater wurde am 6. August 1907 in Feltre geboren und meine Mutter am 10. Juni 1914 in Gracova. Meine Kindheit verbrachte ich mit meinen Großeltern und meiner Mutter, da mein Vater im Krieg war. Mein Vater diente als Carabiniere und wir folgten ihm, wenn er versetzt wurde: nach Feltre, nach Caldonazzo und schließlich nach Bozen. Ich schloss die Mittelschule in Bozen ab und habe dann nicht weiterstudiert. Ich begann als Sekretärin in der Partei Democrazia Cristiana zu arbeiten. Ich bestand ein Auswahlverfahren und ging nach Brüssel, wo ich als Stenotypistin für den Ministerrat arbeitete. Aus gesundheitlichen Gründen kehrte ich nach Bozen zurück. Ich fand Arbeit bei der Krankenkasse, aber dann bestand ich ein Auswahlverfahren und arbeitete bis zu meiner Pensionierung bei der Gesamtstaatlichen Anstalt für Soziale Vorsorge INPS.“
Paolo Mohovic
Kurzbiographie
„Ich wurde am 18. Januar 1931 in Rijeka geboren. Meine Eltern stammten aus Rijeka. Hier wohnte ich bis 1946 und zog später nach Brindisi. Die Grundschule, die Mittelschule und das 1. und 2. Jahr des wissenschaftlichen Lyzeums besuchte ich noch in Rijeka. Das 3. Jahr besuchte ich in Brindisi und die letzten beiden Jahre in Bozen. Mein Studium der Pharmazie habe ich an der Universität Urbino abgeschlossen. Von 1950 bis 1965 arbeitete ich in den Bozner Stahlwerken, dann als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der pharmazeutischen Industrie und schließlich von 1968 bis 1995 als Apotheker in Kaltern. Ich habe eine Südtirolerin geheiratet, wir haben zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen, die von klein auf zweisprachig aufgewachsen sind. Ich bin leidenschaftlicher Schachspieler, habe einige internationale Partien gespielt und war Mitglied des italienischen Nationalteams. Ich bin außerdem Sportler, ich habe Leistungsfußball und Tennis gespielt und war Skifahrer.“
Stelio Sascor
Kurzbiographie
„Ich wurde am 10. Februar 1929 in Zadar in Dalmatien geboren. Mein Vater wurde in Dubrovnik in Dalmatien geboren und meine Mutter auf der Insel Korčula, ebenfalls in Dalmatien. Meine Eltern zogen aus beruflichen Gründen nach Zadar, und so wurde ich dort geboren. Ich besuchte dort die Grundschule und die Mittelschule. 1943 sind wir von Zadar nach Brixen zu einem Onkel gezogen. Hier besuchte ich das humanistische Gymnasium und begann bei einer Bank zu arbeiten, zuerst bei der Banca di Credito Consorziale, und dann bei der Banca Commerciale Italiana in Bozen. Im Jahr 1990 trat ich in den Ruhestand. In Bozen habe ich meine Frau kennengelernt, eine Lehrerin. Wir haben vier Kinder, zwei Jungen und zwei Mädchen. Meine Leidenschaft sind die Berge, ich fahre gerne Ski und wandere, und ich mag klassische Musik.“
Anna Tuchtan
Kurzbiographie
„Ich wurde am 30. August 1944 in Rijeka geboren und meine Eltern stammen ebenfalls aus Rijeka. Mein Vater besaß ein Schreibwarengeschäft und meine Mutter war Hausfrau. Im Jahr 1946 verließ ich Rijeka und kam am 10. Oktober desselben Jahres nach Bozen, wo mein Vater als Handelsvertreter Arbeit fand. Hier in Bozen besuchte ich die Schule. Ich absolvierte die Lehrerbildungsanstalt Pascoli und studierte anschließend Fremdsprachen und Literatur, zuerst an der Universität Ca' Foscari in Venedig und dann in Pisa. Zurück nach Bozen habe ich Italienisch an deutschen Oberschulen unterrichtet. Jetzt bin ich im Ruhestand, reise gerne, lese und besuche Konzerte.“
Nidia Weichenberger
Kurzbiographie
„Sie wurde am 14. Mai 1920 in Triest geboren, lebte aber immer in Opatija, in der Provinz Rijeka. Sie besuchte die Schule in Rijeka und heiratete dort im Jahr 1943 den Journalisten Giovanni Richter. Um 1950 zog sie nach Karneid, wo sie ihre Arbeit als Literaturlehrerin fortsetzte. In Bozen unterrichtete sie als Italienischlehrerin an der Mittelschule, während ihr Mann als Journalist bei der Präfektur arbeitete. Sie hat drei Kinder. Seit Jahren lebt sie aus Krankheitsgründen in einem Altersheim.“
(Ing. Alvaro Soppa)